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Kloster Maria Hilf Weiden

Kloster „Maria Hilf“ in Weiden. Im „Handbuch der Erzdiözese Cöln“ von 1905 wird dieses Kloster bereits erwähnt. Zu dieser Zeit arbeiteten im Kloster 6 Franziskanerinnen aus Olpe.

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Bauersches Anwesen

Schule und Krankenhaus war dieses Gebäude, das früher ungefähr dort stand, wo sich heute die Einfahrt zum Knappschaftskrankenhaus Bardenberg befindet. Zunächst - 1868 als „Bauersches Anwesen“ für 5000 Taler erworben - diente es der Wurmknappschaft als Krankenhaus, mit zunächst 28, später 40 Betten.

Bereits seit 1867 gab es in Bardenberg die erste Bergschule des Wurmreviers. Diese Schule zog 1871 in das als Krankenhaus schon genutzte Gebäude um. Die Ausbildung an dieser Schule dauerte drei Jahre.

Lesen wir, was die Zeitung am 8. Mai 1901 schrieb:

„Bardenberg, 7. Mai. In der vorigen Woche begann in der hiesigen Bergschule ein neuer Kursus, in welchem die jungen Leute als Steiger ausgebildet werden. Sie arbeiten während dieser Zeit abwechselnd einen Tag praktisch in der Grube, während sie an den folgenden Tag hier Unterricht haben. Der Kursus zählt 30 Schüler, welche den Zechen des Eschweiler Bergwerkvereins, der Vereinigungsgesellschaft und der Zeche Nordstern angehören. Sehr schön ist dabei die Einrichtung, dass sie auch an den tagen, wo sie nicht auf der Zeche arbeiten, doch einen Teils des Lohnes erhalten.“

Das Bild zeigt Schüler dieser Bergschule und in der vorderen Reihe rechts den Knappschaftsdirektor Franz Rudolf Roß, Lehrer für Grubenrechnungswesen an der Bergschule und von 1888 bis 1925 Mitglied des Rates der Gemeinde Bardenberg.

Kreiskrankenhaus 1922

1919 fasste der Kreistag die Entscheidung, in Würselen, Mauerfeldchen, ein Isolierkrankenhaus zu bauen. Als das Gebäude dann 1922 fertig war, wurde dort das Säuglings- und Kleinkinderheim des Kreises eingerichtet. Ein „Kreiskrankenhaus“, wie die abgebildete Ansichtskarte Anfang der zwanziger Jahre etwas vorschnell verkündete, wurde erst 1967 in Betrieb genommen, allerdings nur einen Steinwurf entfernt, das Kreiskrankenhaus Marienhöhe in Mauerfeldchen.

Das Säuglingsheim diente nach dem Krieg als „Landwirtschaftliche Kreisberufsschule“, beherbergte zeitweise die Kreisbildstelle und ist derzeit Sitz des Veterinäramtes.

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Seit wann gibt es eigentlich Schulen?

Seit wann gibt es in Würselen Schulen, seit wann Schulpflicht? Wann und wo sind die ersten Schulen unserer Stadt erbaut worden? Diese und andere Fragen weisen zurück ins 18. Jahrhundert.

Der Aachener Stadtschulrat Peter Kremer wusste 1924 zu berichten, dass noch früher, also im 17. Jahrhundert und bis ins 18. hinein, „auf dem Lande“ der Unterricht meist in der Hand von Leuten lag, welche die Unterweisung der Jugend als Nebenverdienst betrieben.

Aachener Reich

Für Würselens Dörfer wird wohl gegolten haben, was für alle Ortschaften des Aachener Reiches bestimmend war; das Aufsichtsrecht über die Schulen hatte der Scholaster, ein Mitglied des Marienstiftes, wenn auch der Aachener Rat zunehmend Einfluss auf das Schulwesen nahm.

Es bleibt fraglich, wie viele Würselener Schüler zum Beispiel die 1744 erschienene Schulfibel des Aachener Stadtschul- und Rechenmeisters Johannes Schmidts in die Hände genommen haben, die den Titel „Neu Regulmäßiges A.B.C . oder Ortographisches Alphabethum“ trug.

In Broich ist ein Lehrer namens Franz Josef Scherberich erwähnt, der gleichzeitig Küster war. Auch in den anderen Ortschaften im Aachener Reich wird es ähnlich gewesen sein, dass Nebenberufler oder Geistliche den Unterricht erteilten, der sich meist auf Rechnen, Lesen, Schreiben und Religion beschränkte.

Das napoleonische Unterrichtsgesetz

Mit der französischen Revolution und der daraus resultierenden Zugehörigkeit des Rheinlandes zu Frankreich änderte sich die Situation, jedoch nicht zum Besseren.

Schulrat Kremer in seinem oben erwähnten Aufsatz:

„Die französische Schulpolitik verfolgte mehr politische Ziele, beseitigte die geistliche und forderte die weltliche Schulaufsicht, die allerdings kaum gehandhabt wurde. Die Errichtung und Unterhaltung der Volksschulen (Primärschulen) oblag nach dem napoleonischen Unterrichtsgesetz (1802) den Gemeinden, die jedoch infolge der schlechten Finanzlage nicht imstande waren, der Schulunterhaltungspflicht nachzukommen“.

Desweiteren gab es Schwierigkeiten - die auch schon früher bestanden - mit den Schulräumen, mit Lehrern, die wegen ihrer niedrigen sozialen Stellung oftmals unzulänglich ausgebildet waren, und durch unregelmäßigen Schulbesuch.

Schulalltag in der Gemeinde Broich

Doch auch nach Abzug der Franzosen und der neuen Zuständigkeit Preußens für die Rheinlande trat keine sofortige Besserung ein, wie ein Auszug aus der Schulchronik des Pfarrers Deboeur zeigt, die um 1816 verfasst wurde:

„In Euchen unterrichtete Herr Prof. Ackermann 6 Schüler in einer sogenannten höheren Schule. In Vorweiden bestand eine evangelische Schule unter einem Lehrer Lentzen, die mehrfach auch von katholischen Kindern besucht wurde. Außerdem existirten noch Winkelschulen (Privatschulen), besonders für den Winter: in Often (heute: Ofden), Euchen, Neusen und Linden. Der Lehrer in Often hütete im Frühling, Sommer und Herbst das liebe Vieh: im Winter versammelte er um sich die Dorfjugend, und genannter Pfarrer bemerkt von ihm, er sei ein Bube von 15 Jahren gewesen. Wahrscheinlich hat man gedacht, der junge Mensch möge leichtlich eine Anzahl Kinder regieren können, da er es ja verstehe, sogar eine ganze Herde Vieh zu führen.

Die sonstigen Winkelschulen wurden von sogenannten Schultanten oder Schulmöhnen gehalten, deren eine in Linden eine Frau Janßen genannt wird. Schule wird täglich gehalten von 9 bis 12 und von 2 bis 5, in der Erntezeit ein Monat Vakanz. Eigentlich gibt es hier kein Schulhaus, sondern in der Wohnung des Küsters, welcher stets Schulmeister war, befindet sich ein ungefähr 20 Fuß langes, 24 Fuß breites und 12 Fuß hohes Zimmer, welches mit Bänken für die Kinder versehen ist, und noch in recht gutem Stande ist. NB. Der Herr Pastor hat nicht gut gemessen, da der Raum um fast die Hälfte kleiner war, wie man leicht noch constatiren kann. Nach dem alten Schlendrian wird Unterricht gegeben im Buchstabiren, Lesen, Schreiben, Katechismus. Disciplin ist fast unbekannt; Geschlechter sind nicht getrennt; die ganze Einteilung besteht darin, daß einige im ABC, andere im Evangelium —andere im Testament - andere endlich im Titel Buche täglich eine Lection aufsagen, und einige Buchstaben oder Wörter nachschreiben.“

Schulbau im 19. Jahrhundert

Erst nach und nach wurden in Bardenberg, Würselen und Broichweiden die notwendigen Schulhäuser gebaut, und gleich mehrfach kann man in der Chronik nachlesen, dass bei Fertigstellung von Klassen oder Schulgebäuden im Grunde erneut Platzmangel herrschte. 1829 wurde das Schul- und Gemeindehaus in Bardenberg errichtet, nachdem bereits 1824 das Schulhaus Weiden fertiggestellt worden war. In Würselen entstanden Schulbauten am Markt (1823), in Grevenberg (1841) und an der Neuhauser Straße (1847), in St. Jobs baute man 1854, in Linden Neusen 1856 eine Schule. Später schuf man andere Schulsysteme, etwa ab 1881 die Höhere Knabenschule, ab 1920 eine Hilfsschule, wie man früher die Sonderschule bezeichnete. Viele Schulgebäude aus dem letzten Jahrhundert sucht man im Stadtbild heute vergebens, zu viel hat der 2. Weltkrieg zerstört.

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Höhere Knabenschule

Im Mai 1881 wurde in der Morsbacher Straße die Höhere Knabenschule eröffnet, zunächst mit 34 Schülern. Der Verwaltungsbericht des Landkreises Aachen aus dem Jahr 1899 besagt: „Von Höheren Schulen sind im Kreise vorhanden ein Progymnasium zu Eschweiler, Höhere Knabenschulen zu Stolberg, Herzogenrath und Grevenberg“. Anfang der zwanziger Jahre wurde die Schule durch Ministererlaß als Progymnasium i. E. (in Entwicklung) anerkannt. Der Dezernent des Provinzialschulkollegiums führte dann 1924 eine Revision durch sowie eine Abschlussprüfung der Untersecunda, und so erfolgte am 28. 4. 1924 die endgültige Anerkennung. Zu dieser Zeit hatte die Schule 170 Schüler, davon 52 Sextaner.

Das Progymnasium wurde 1928 aufgehoben, weil die Stadt der schlechten Wirtschaftslage wegen die erforderlichen Zuschüsse nicht mehr leisten konnte.

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Karte

Schule Lehnstraße

Am 1. April 1912 wurde die Volksschule Lehnstraße bezogen. Durch den zwei Jahre später ausbrechenden Krieg bedingt, wurde sie zeitweise als Lazarett benutzt. Heute beherbergt sie die Gemeinschaftshauptschule Würselen—Lehnstraße (Aufnahme 1921).

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Schule Friedrichstrasse

Im Jahre 1890 wurde die Schule an der Friedrichstraße errichtet. Zusammen mit den Schulen Markt (1823) und Neuhauser Straße (1847) standen somit drei Schulen im Dorf Würselen zur Verfügung. Das Bild zeigt die Schule Friedrichstraße um 1920

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Schule Kreuzstraße

Das Gebäude der Schule Kreuzstraße um 1920. Diese Schule stand seit 1903 zur Verfügung und wurde bis 1931 genutzt. Im Krieg zerstört, fehlt sie heute im Stadtbild.

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Schule St. Jobs

Schule St. Jobs; mit dem Bau der Schule war 1854 begonnen worden, und an der Finanzierung beteiligte sich auch die Gemeinde Broich „nach Maßgabe der die Weidener Schule besuchenden Kinder aus Vorweiden“, wie es in der Gemeindechronik heißt.

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